Kolumne

Oder: Sind Fotos auf PE-Papier so stabil wie solche auf Barytpapier?


Thomas Wollstein
Jan. 2001


Zusammenfassung:

  1. Alle auf Silber basierenden Fotos sind insbesondere durch Licht und Umweltverschmutzung gefährdet.
  2. Neben den äußeren Faktoren gibt es bei PE-Papieren wahrscheinlich auch Problemquellen, die in den Materialien selbst liegen.
  3. Die heutigen PE-Papiere sind bei guter Lagerung recht stabil.
  4. Barytpapier hat gegenüber PE-Papier den Vorteil eines saugfähigen Trägers, der lösliche Silbersalze aufnehmen kann, aber aus demselben Grund auch Nachteile bei der Verarbeitung.
  5. Anwender sollten sich nicht scheuen, sich bei Herstellern zu beklagen, wenn sie den begründeten Verdacht haben, dass mit den Materialien etwas nicht stimmt.

Unbehandelte Silberbilder - gleich ob auf PE- oder auf Barytpapier - sind heute starken Gefährdungen ausgesetzt. Glaubt man den meisten Herstellern von Fotopapieren, gibt es bei PE-Fotopapier keine Probleme mit der Langzeitstabilität. Es gab "früher einmal" Probleme, aber die hatte man bald im Griff. Das glaubten auch Ctein und seine Kollegin Laury Toby Edison, als sie für eine Reihe von Kunden eine Gemeinschaftsarbeit auf PE-Papier produzierten und rahmten. Dieser Glauben hielt sich nicht lange: Trotz handwerklich sauberer Verarbeitung für optimale Haltbarkeit (gründliche Wässerung, Passepartouts aus archivtauglichen Materialien, Rahmung hinter UV-absorbierendem Acrylglas) zeigten die ersten Bilder bereits nach wenigen Monaten (!) Anzeichen von Fleckenbildung, Braunfärbung und Verspiegelung [3]. Woran lag's?

Die Gründe für Bildzerfall

Vieles von dem, was man heute - durchaus auch von Laborkollegen, die ansonsten auf dem neuesten Stand der Technik sind - hört, hat seinen Ursprung im Jahre 1855, als sich innerhalb der Photographic Society of London ein von Prinz Albert durch eine Spende finanzierter Ausschuss aus Chemikern und Fotografen konstituierte, um den Zerfall von Fotos zu untersuchen [1]. Dieser Ausschuss - der als das "Fading Committee" bekannt wurde - kam nach einjährigem Studium von Beispielen und der Durchführung der wahrscheinlich ersten Schnellalterungstests zu dem Ergebnis, dass "die wahrscheinlich häufigste Ursache für Bildzerfall in unvollständig ausgewaschenem Fixiersalz (Natriumthiosulfat) zu suchen" sei. Im Bericht des Fading Committee wurden auch noch andere potenzielle Ursachen angesprochen, doch diese gerieten bei den Autoren, die sich später auf die frühen Erkenntnisse beriefen, scheinbar in Vergessenheit. Tatsächlich ist man heute der Ansicht, dass die Hauptursache für Bildzerfall nicht ein zu hoher Restthiosulfatgehalt ist, sondern meist Oxidation des Silberbildes durch Feuchtigkeit, Luftverschmutzung und ungeeignete Rahmung.

totenkopf

Vorsicht Geschichte!
Bereits Mitte der Sechziger fand Kodak heraus, dass ein gewisser Restthiosulftgehalt das Silberbild stabilisiert. Man wusste jedoch nicht, wie man den Fotografen beibringen sollte, hinreichend gut, aber nicht zu gut zu waschen. Man blieb bei der konservativen Vorgabe "lieber zuviel gewaschen als zuwenig" [4], denn es gibt einen in [8] so genannten "Goldlöckchen-Effekt": Zuviel ist schlecht, und zuwenig auch. Der Restthiosulfatgehalt muss also genau richtig sein.

Das Bild der meisten SW-Fotomaterialien besteht aus metallischem Silber. Silber wird als "Edelmetall" betrachtet, also als ein Material, dass chemischen Einflüssen gegenüber recht resistent ist, jedoch ist es tatsächlich eher ein unedles Metall. Das Bildsilber reagiert mit Luft und Feuchte so wie die meisten Metalle, es korrodiert. Das Unangenehme am korrodierten Silber ist, dass es - anders als das metallische Silber, aus dem das Bild besteht - im Bild wandern kann, da es aus löslichen Silbersalzen besteht. Das meiste davon verwandelt sich über kurz oder lang wieder in Silber zurück, nur leider nicht an seinem ursprünglichen Platz und in anderer chemischer Form.

Bei Barytpapieren kann das lösliche Silber in den Träger abwandern, was zu einem Verblassen des eigentlichen Bildes (klar, denn da fehlt ja jetzt etwas) und zur Bildung eines (spiegelverkehrten) Geisterbildes auf der Rückseite führt. Bei PE-Papieren ist dieser Weg durch die PE-Versiegelung verbaut, und die löslichen Silbersalze wandern an die Bildoberfläche und zerfallen dort wieder zu fein verteiltem metallischem Silber, das gelbe Flecken gibt, oder zu Schwefel-Silber-Verbindungen, die von bräunlicher Farbe sind. Beides führt zur Verunstaltung des Bildes.

Was unterscheidet PE-Papier sonst noch von Barytpapier? Barytpapiere erhalten ihre weiße Farbe durch Bariumsulfat, eine extrem schwerlösliche und stabile Verbindung.

totenkopf

Vorsicht Chemie!
Bariumsulfat ist für den Menschen giftig, aber es ist so unlöslich und stabil, dass man es ohne Vergiftungsgefahr beim Röntgen des Magens als Kontrastmittel schlucken kann. Es wird selbst in der Magensäure nicht nennenswert aufgelöst.

Anders PE-Papier: Hier wird in der obersten Trägerschicht Titandioxid eingebettet, eine Verbindung, die zwar wunderbar strahlend weiß ist, die aber unter Lichteinwirkung aggressive Sauerstoffverbindungen freisetzen kann.

totenkopf

Vorsicht Chemie!
Unter Lichteinwirkung, vorwiegend bei kurzen Wellenlängen, wird aus TiO2 Singulett-Sauerstoff freigesetzt. In der Folge können sehr aggressive Peroxide entstehen [7].

Diese Verbindungen können zu einer Versprödung des Trägermaterials führen und auch das Silberbild direkt angreifen. Die Fotopapierhersteller haben sich dieses Problems angenommen, indem sie das Titandioxid teilweise ersetzt haben oder ihm Antioxidanzien beigefügt haben, Substanzen, die den freigesetzten Sauerstoff sofort wieder aus dem Verkehr ziehen. Auch UV-Absorber werden verwendet, jedoch machen diese die Wirkung von optischen Aufhellern zunichte. Optische Aufheller selbst können auch eine gewisse Schutzwirkung vor UV-Strahlung haben [7]. Angeblich ist dieses Problem heute keines mehr. (Das glaubte man allerdings auch schon, als Ctein mit seinen Fotos Schiffbruch erlitt.) Sicher kann man sagen, dass sich die Fotopapierhersteller des Problems seit 1995 noch einmal verstärkt angenommen haben.

Wir merken uns:

  • Silber korrodiert auch ohne besonders aggressive Gase so leicht, dass schon erhöhte Luftfeuchte reichen kann, es anzugreifen.
  • Aggressiver "Dreck" aller Art findet sich mittlerweile fast überall in der Luft, besonders aber in Großstädten.
  • Die Freisetzung von Peroxiden aus dem Träger von PE-Material wird heute nicht mehr als Problem betrachtet.


Wo liegt also das Problem?

Ich habe im Zuge meiner Recherchen zu diesem Artikel eine Reihe von Fotopapierherstellern angeschrieben und angefragt, ob sie über gesicherte Erkenntnisse über die Haltbarkeit ihrer Produkte verfügen. Die Ergebnisse dieser Miniumfrage waren ziemlich ernüchternd. Nur wenige der Hersteller fanden es nötig, auf meine Anfrage überhaupt zu antworten. Davon waren sich zwei (Ilford und Fotospeed) darin einig, dass bei "einwandfreier Verarbeitung und optimaler Lagerung" die Stabilitätsunterschiede zwischen PE- und Barytpapier bei sonst gleichen Bedingungen nicht sehr groß seien (lt. einem Fotospeed-Mitarbeiter gut 60 Jahre bzw. gut 80 Jahre).

Bei der einwandfreien Verarbeitung können wir uns ja noch Mühe geben, aber was ist mit optimaler Lagerung? Lt. Ilford-Datenblättern (zu Barytpapier) heißt das, dass "die Vergrößerungen in völliger Dunkelheit bei einer Temperatur von 15 bis 25°C mit maximalen Schwankungen um höchstens 4°C und bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 30 bis 50% lagern müssen. Ferner ist darauf zu achten, dass alle mit den Vergrößerungen in Berührung kommenden Materialien (Aufziehunterlagen und -kleber, Aufbewahrungsbehälter usw.) keine schädigende Wirkung haben und die Luft am Aufbewahrungsort frei von chemischen Dämpfen, Autoabgasen oder ähnlichen Schadstoffen ist."

Abgesehen davon, dass heute fast niemand mehr das Privileg hat, absolut saubere Luft um sich zu haben, können wir zwischen den Zeilen daraus lesen, dass ausgestellte (im Gegensatz zu archivierten) Fotos sowieso nicht ewig leben. Hinzu kommt, dass die das Foto schädigenden Stoffe bei ausgestellten Fotos im Laufe der Zeit durch die Einwirkung von Licht (z. B. aus dem Titandioxid) entstehen können und bei hinter Glas gerahmten Bildern nicht entweichen. Ctein berichtet in [3] über Versuche, bei denen er Bilder ohne jegliche andere Quellen von Verunreinigungen in einem sorgfältig entgasten Acrylglasrahmen dem Licht aussetzte. Die Bilder wiesen nach einiger Zeit Schäden auf, was zeigt, dass es neben den allseits anerkannten Problemen durch Umweltverschmutzung auch Ursachen für den Bildzerfall gibt, die im Bild selbst liegen.

Nach dieser pessimistischen Einführung gehen wir nun daran, die Sache positiv zu betrachten.

Was kann man tun, um die Stabilität von Fotos zu verbessern?

Punkt 1: Papierwahl

Lt. den Fotopapierherstellern sind also PE-Papiere fast so haltbar wie Barytpapiere. Tatsache ist, dass es Barytpapiere schon lange gibt, und viele Bilder auf solchen Papieren haben schon eine lange Zeit in gutem Zustand überstanden. Es wird sicher auch eine ganze Menge von Bildern geben, die inzwischen zerstört sind, doch es ist der Nachweis erbracht, dass Barytpapier 100 Jahre halten kann. Bei PE-Papier sieht das anders aus. Das gab es vor 100 Jahren schlicht nicht, und alle Angaben zu seiner Haltbarkeit basieren auf Schnellalterungstests (unter hellem Licht, hoher Temperatur, hoher Luftfeuchte, Begasung mit oxidierenden Verbindungen, z. B. Wasserstoffperoxid, H2O2 usw.), also auf einer künstlichen Nachbildung der Alterungsvorgänge.

totenkopf

Vorsicht Chemie!
Künstliche und beschleunigte Alterung muss man deswegen anwenden, weil man eben nicht 100 Jahre warten möchte, bevor man ein neues Papier auf den Markt bringt. Sie beruhen auf der Annahme, dass man die Alterung der Bilder beschleunigen kann, indem man die Konzentration der Schadstoffe, die Intensität des Lichtes oder die Temperatur höher ansetzt als unter normalen Bedingungen. Auch wenn man viel Gehirnschmalz in diese Versuche steckt, sind sie nur eine Krücke. Mitunter gibt es in einer Reaktionskette einen so genannten geschwindigkeitsbestimmenden Schritt, der nicht im selben Maß auf die verschärften Bedingungen anspricht wie die anderen an der Alterung beteiligten Vorgänge. In einem solchen Fall scheint das Papier im Schnellalterungstest stabil [3]. Wenn dann die Ergebnisse der beschleunigten Alterung auf normale Bedingungen extrapoliert werden, erhält man viel zu hohe Lebenserwartungen.

Auch die heutigen Barytpapiere - das muss man eingestehen - gab es vor 100 Jahren noch nicht. Dennoch sind die damaligen Papiere mit den heutigen Barytpapieren eher verwandt als mit PE-Papieren. Daher scheint es unter Fotografen einen - zum Teil vielleicht auf Vorurteilen basierenden - Konsens zu geben, dass man für Bilder, die lange halten sollen, vorzugsweise Barytpapier verwenden sollte.

Punkt 2: Fixage und Wässerung

Hierzu habe ich mich im vorhergehenden Beitrag detailliert ausgelassen. Zu ergänzen wäre dem gegenüber nur noch, dass es nicht ratsam ist, Barytpapiere einem direkten, auf die Oberfläche gerichteten Wasserstrahl auszusetzen. Der Hintergrund hierzu ist, dass Barytpapier sich dann wie ein sehr wirksames Filter verhält und dazu neigt, Schwebstoffe aus dem Wasser anzureichern [5]. Dies kann zu Problemen beim Tonen führen (z. B. ist Kodaks Sepia Toner bekanntermaßen etwas empfindlich und kann zusammen mit den im Papier gefangenen Schwebstoffen Flecken erzeugen), aber das Phänomen kann auch zu Problemen mit der Beständigkeit führen.

Wer jetzt auf den Gedanken kommt, destilliertes Wasser zum Wässern verwenden zu wollen, weil ja auch das Wasser immer mehr Belastungen aufweist, der sei gewarnt: Der Auswässerungseffekt beruht auch auf einem Ionenaustausch zwischen Wasser und Bild. Destilliertes Wasser ist für die Wässerung nicht sehr effizient, weil es nichts zum Austausch anzubieten hat.

Punkt 3: Nachbehandlung

Wer den Bestand seiner Bilder sichern möchte, kommt um eine stabilisierende Nachbehandlung nicht herum. Darin sind sich die Experten einig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Stabilisierung ohne Tonveränderung

Hier sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Meines Wissens bietet in Europa nur Agfa mit Sistan ein Produkt an, das Silberbilder ohne jegliche Tonänderung stabilisiert. (Es gibt ein ähnliches Produkt von Fuji, AG Guard, das aber wohl nur in Japan auf dem Markt ist.)

totenkopf

Vorsicht Chemie!
Das wirksame Agenz in Sistan ist Kaliumrhodanid (oder auch Kaliumthiocyanat, KSCN). Zur Behandlung wird das Bild nach der letzten Wässerung in der Arbeitslösung gebadet und nicht mehr weiter gewässert. (Sonst würde der Stabilisator wieder ausgewaschen.) Das Kaliumrhodanid verbleibt im Bild und soll den Effekt haben, dass durch Oxidation gebildete, bewegliche Silberionen auf der Stelle wieder als unlöslicher Niederschlag abgeschieden werden und damit dem Bild nicht verloren gehen.

X

Tragen Sie bei jeglichem Umgang mit Chemikalien Handschuhe u. ggfs. eine Schutzbrille. Etikettieren Sie Gefäße eindeutig. Das sind eigentlich Gemeinplätze, doch es lohnt sich, sie ab und zu einmal zu wiederholen. Praktisch alle Dunkelkammerchemie ist zumindest als "gesundheitsschädlich" oder "reizend" eingestuft. Insofern möchte ich Sie nicht vom Gebrauch von Sistan abschrecken. Es ist vermutlich nicht wesentlich gefährlicher als eine ganze Reihe von Chemikalien, um die Sie ohnedies nicht herumkommen.

Besonders gefährlich ist an Kaliumrhodanid, dass es bei Kontakt mit Säure extrem giftige Dämpfe entwickelt.

Fast ohne Tonumschlag wirkt auch Selentoner in höherer Verdünnung und bei nicht zu langer Einwirkzeit. Die Meinungen darüber, ob eine Teiltonung mit Selentoner das Silberbild schützt, sind geteilt. In jedem Fall hat Selentoner die Eigenschaft, dass er zunächst die dunklen Bildpartien tont und erst bei längerer Einwirkdauer die hellen Partien.

totenkopf

Vorsicht Chemie!
Ctein [3] kam zu dem Ergebnis, dass Teiltonung mit Selentoner das Bild stabilisiert, hat dabei allerdings nur einen vergleichsweise kurzen Zeitraum untersucht. Reilly et al. [1] vermuten, dass Selentoner nur dann wirksam schützt, wenn er auch Silbersulfid bildende Agenzien enthält. (D. h. dass nicht jeder Selentoner die schützende Wirkung erbringt. So wird z. B. berichtet, dass eine ältere Probe von Kodak Rapid Selenium Toner Sulfid bildende Agenzien enthielt und entsprechend wirksam war, eine neuere Probe jedoch nicht mehr wirksam war. Man kann sich also nicht darauf verlassen.) Eine ganze Reihe von Fachleuten bestreitet überhaupt, dass eine Teiltonung mit Selen eine schützende Wirkung hat.

Stabilisierung durch Tonung

Unbestritten die stabilste fotografisch verwertbare Silberverbindung ist Silbersulfid. Schwefeltoner - gleich, ob Sie die nach faulen Eiern stinkende oder die geruchlose Variante nutzen - macht ihr Bild so stabil wie es nur sein kann (d. h. so stabil wie den Träger, auf dem es haftet). Selbst recht aggressive Oxidanzien können dem Bildsilber dann nichts mehr anhaben. (Versuchen Sie einmal, ein mit Schwefeltoner getontes Bild mit Farmerschem Abschächer zu bleichen. Es wird Ihnen nicht gelingen.) Allerdings ist damit ein Tonumschlag in verschiedene Gelb- und Brauntöne verbunden.

totenkopf

Vorsicht Chemie/Gefahr!
Die stinkenden Tonervarianten basieren auf Natriumsulfid oder Natiumpolysulfid und dürfen ebenfalls nicht mit Säuren in Kontakt kommen, da sie sonst giftige Gase entwickeln. Der nicht stinkende Toner basiert auf Thiocarbamid (oder Thioharnstoff, was dasselbe ist) und kann irreversible Gesundheitschäden hervorrufen sowie erbgutverändernde Wirkungen haben und Embryos im Mutterleib schädigen.

Goldtoner ruft je nach Papier unterschiedlich intensive bläuliche Töne hervor, teilweise auch nur eine nicht sehr ausgeprägte "Abkühlung" des Bildes. Die Schutzwirkung von Goldtoner scheint auch davon abzuhängen, wie vollständig man damit tont und wie seine genaue Zusammensetzung ist [1]. Ich denke, dass Goldtoner wegen seines hohen Preises zur Bildstabilisierung nur eine relativ untergeordnete Rolle spielt.

Punkt 4: Präsentation (Aufziehen, Rahmung, Beleuchtung)

Die beste Verarbeitung nützt wenig, wenn das Bild hinterher durch den Kontakt mit ungeeigneten Rahmungs und Aufziehmaterialien gefährdet wird.

  • Achten Sie bei Passepartoutkarton auf säurefreie Qualität.
  • Benutzen Sie möglichst keinen Leim, zumindest aber keinen, der ausgast (d. h. stinkt). Oft dringt er in den Träger ein und führt - manchmal erst nach Jahren - zu Verfärbungen auf der Bildseite. Wenn Sie das Bild zur Stabilisierung und für bessere Planlage aufziehen möchten, nutzen Sie Aufziehfolie. Wenn das Bildformat nicht gar zu groß ist und Sie sichergehen wollen, klemmen Sie das Bild einfach zwischen Passepartout und einem stabilen säurefreien Karton im Rahmen ein. Es liegt dann meist wie ein Negativ in einer glaslosen Bildbühne hinreichend glatt.
  • Achten Sie darauf, dass der Rahmen keine Lösungsmittel freisetzt. Diese können z. B. von Farbe oder Leim auf den Rahmenleisten stammen. Auch Spanplatten sind eine beliebte Quelle. Im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit des Fotos sind Metallrahmen günstiger als Holzrahmen, da letztere - insbesondere bei Weichhölzern - Harze und Terpendämpfe freisetzen können.
  • Benutzen Sie statt Glas Acryl"glas". Es absorbiert einen Teil der für das Bild schädlichen kurzwelligen Strahlung. (Eine Art Sonnenmilch für Ihr Foto.)

Punkt 5: Aufbewahrung

Die wesentlichsten Punkte einer guten Lagerung wurden bereits in dem Zitat aus dem Ilford-Datenblatt weiter oben angesprochen, nämlich möglichst konstante, nicht zu hohe Temperatur und Luftfeuchte sowie Dunkelheit. Hinsichtlich der Materialien, mit denen das Foto in Kontakt kommt, gilt im Prinzip dasselbe wie bei den Aufziehmaterialien. Zum Einkleben von Fotos in Alben halte ich persönlich Fotoecken für die günstigste Variante, da kein Klebstoff direkt mit dem Foto in Kontakt kommt.

Schlusswort

Bei Farbfotos ist mir selten eine solch intensive Diskussion des Themas "Beständigkeit" zu Ohren gekommen wie bei Schwarzweißfotos. Das liegt vielleicht daran, dass Farbfotos aus organischen Farbstoffen bestehen und (hoffentlich) ohnedies niemand der Illusion aufsitzt, sie könnten ewig halten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass traditionell noch bevorzugt die Schwarzweißfotografie das Medium der Dokumentation ist.

Ich kann's mir nicht verkneifen, auch auf einen Seitenhieb einzugehen, den man oft in Diskussionen zu diesem Thema zu hören (oder lesen) bekommt: Bei manchem, was mit viel Mühe für die Ewigkeit stabil gemacht wird, wäre man dankbar, wenn es schnell verschwände. Ich finde, darüber steht uns kein Urteil zu. Wer weiß, ob Sie meine Fotos schön finden oder ich Ihre. Ich möchte Ihnen Tipps geben, wie Sie Bilder, die Ihnen wichtig sind, möglichst haltbar machen können.

Das Letzte: die menschliche Neigung, Probleme zu ignorieren

Es gibt viele Hinweise, dass die Luft in unserer Umwelt heute bereits so verschmutzt ist, dass Bilder nur dann einigermaßen sicher sind, wenn besondere Nachbehandlungen durchgeführt werden (Sistan oder Tonung).

totenkopf

Vorsicht, schlechtes Gewissen!
Die Quelle der eklatanten Umweltverschmutzung sind wir alle, und es lohnt nicht, Erbsen zu zählen, um die Schuld für einzelne Aspekte den Autofahrern, der chemischen Industrie, den Energieversorgern oder wem auch immer zuzuweisen. Zynisch werdend könnte man sagen, dass wir alle Anstrengungen unternehmen sollten, unsere Fotos zu konservieren, damit wenigstens etwas bleibt, dass uns zeigt, wie die Umwelt aussah, bevor wir sie ruiniert haben.

Vieles deutet darauf hin, dass das in PE-Papieren als Pigment verwendete Titandioxid eine Risikoquelle ist. Eine unter vielen Herstellern verbreitete Ansicht scheint zu sein, dass das Problem durch Negieren am besten zu "lösen" ist. Für viele Hersteller mag es auch noch einen guten Grund geben, sich dumm zu stellen: Wenn ein Hersteller allein das Problem öffentlich anerkennt und die anderen es bestreiten, steht der Ehrliche im Regen, weil es so aussieht, als hätten nur seine Produkte das Problem.

Es gibt noch einen weiteren Effekt auf der Nutzerseite, den ich Ihnen als "Döneken" (oder Ankedote) nicht vorenthalten will: Ctein, mit dem ich anlässlich der Recherchen zu diesem Artikel in Kontakt stand, berichtete folgende Begebenheit: Eine große Firma hat einmal eine ganze Charge Entwickler produziert und verteilt, der aufgrund eines Produktionsfehlers gar nicht in der Lage sein konnte, Film zu entwickeln. Man bemerkte den Fehler erst, als das Zeug bereits aus den Regalen des Einzelhandels abverkauft war. Was tat also die Firma? Sie richtete eine Krisen-Hotline ein und wartete ab. Was passierte? Nichts! Nicht ein Anruf von einem erbosten Fotografen. Offenbar haben ausnahmslos alle betroffenen Fotografen den Fehler nicht beim Hersteller gesucht, sondern bei sich selbst. Wir sind also viel zu zahm im Umgang mit den Herstellern unserer Materialien. Oder haben wir ein schlechtes Gewissen, weil wir nicht immer so konsistent arbeiten wie wir eigentlich sollten?

Dank

Mein Dank gilt insbesondere den Herren Wolfgang Holz, Jens Krause und Joachim Badura von der Firma Agfa, die sich die Zeit genommen haben, mich zu Agfa einzuladen und das Problem mit mir im Detail zu diskutieren. Auskunftsfreudig zeigten sich auch John Herlinger von Fotospeed und Matthias Schneege von Ilford. Hilfsbereit zeigte sich auch Ctein.

Literaturhinweise

[1] Reilly, Nishimura, Cupricks, Adelstein; Stability of Black-and-White Photographic Images, with Special Reference to Microfilm, Abbey Newsletter, Vol. 12, #5, Juli 1988
http://palimpsest.stanford.edu/byorg/abbey/an/an12/an12-5/an12-507.html